Psychotherapiezentrum Icizere, Dr. Eva Röttgers, Kigali, Ruanda

Dr. Eva Röttgers vom Orden St. Bonifatius in Detmold ist Ärztin, Psychiaterin, Psycho- und Logotherapeutin. Als Leiterin eines Buschkrankenhauses erlebte sie den Genozid von 1994 mit, der rund 150 Menschen vor Ort das Leben kostete. Insgesamt wurden bei diesem Genozid mehr als eine Million Menschen innerhalb von zehn Wochen getötet, missbraucht oder misshandelt. Eine Auseinandersetzung mit den Greueltaten findet allerdings in der Bevölkerung nicht statt. Die Ereignisse werden totgeschwiegen und Zuflucht in Alkohol oder Drogen gesucht. Für die missbrauchten und traumatisierten Kinder und Jugendlichen hat Dr. Röttgers in Kigali das Psychotherapiezentrum „Icizere“ aufgebaut. Kinder und Jugendliche leben dort wie in einer Familie zusammen, verrichten gemeinsam Tätigkeiten in Haus oder Garten und gehen zur Schule, Universität oder Arbeit. Das Zentrum gibt den Kindern ein Zuhause, sie finden hier Menschen, mit denen sie über die Schrecken des Genozids sprechen können. Die Aussprache und das Leben in der Gemeinschaft helfen ihnen, die Bilder von der Ermordung oder dem Missbrauch der Mutter, Schwester oder anderen Verwandten und Bekannten verarbeiten zu können und den inneren Hass abzubauen bzw. ihn gar nicht erst entstehen zu lassen.
In diesem Jahr wird ein weiteres Heim für Straßenkinder in Kigali errichtet, das nach dem gleichen Prinzip wie das Psychotherapiezentrum funktionieren soll.